Tour de Gammel

Das beste Projekt ist ja immer das nächste!

Bei unserem Besuch in Beelitz ist die Idee entstanden eine längere Tour de Gammel durchs Land des Verfalls zu planen. Im Mai 2015 war es dann soweit. Das Navi gefüttert, die Filme eingelegt, Ersatzakkus gehortet und der Tank gefüllt.

Vorbereitung ist ja alles.

Ab in den Osten

Das Kurheim
Das Kurheim

Die A9 gab die Richtung vor, und da es ja in den Urlaub ging, war die erste Station eine Erholungseinrichtung, die einiges an Reiz eingebüßt hat. Der Weltkonzern, der hier mit Einsamkeit lockte, lässt das Gebäude konsequent verfallen.

Schön ruhig war es jedenfalls.

 

Jenseits der Grenze

Unser zweites Tagesziel war dann wirklich jenseits der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze.

Das Bahnbetriebswerk Z.
Das Bahnbetriebswerk Z.

Die Straße zu den Ringlokschuppen ließ auf den letzten hundert Metern echte Ostalgie aufkommen. Wir mögen ja Verfall. Wir feiern ihn geradezu!

Endstation an diesem Tag war Karl-Marx-Stadt. Noch eine kleine Vorerkundung für den nächsten Morgen, einchecken in der Budgetbude und zum Tagesabschluss noch zum ortsansässigen Balkan-Toni auf fleischhaltige Gerichte und diverse Pils.

Die kleine Tradition des Balkan-Toni-Besuchs besteht seit unserer ersten großen Tour nach Beelitz.

Karl-Marx-Stadt äh Chemnitz

Was für eine grandiose Stadt! Unmengen an Fabriken und Häusern aus der Gründerzeit. Gebäude, die richtig was hermachen bzw. was hermachen würden, größtenteils aber noch nicht den Retter mit dem dicken Geldbeutel gefunden haben. Für Urbexer paradisisch.

Der Kulturpalast
Der Kulturpalast

Wir haben uns auf den Wohl bekanntesten lost place beschränkt. Uran – Kultur – Fernsehen – Disco und Leerstand.

Das Gesetz der Serie

Raus ins Grüne war die Devise. Dort angekommen ging es los mit der Strähne. Die Begehung mussten wir uns verkneifen. Zuviele Ehemalige direkt vor dem Komplex. Passiert.

Das Reichsbahnausbesserungswerk L.
Das Reichsbahnausbesserungswerk L.

Weiter nach Leipzig. Diagnose: zuviel Geld und Bedarf an Wohnungen. Zwei Ziele werden zur Zeit umgebaut.

Einmal hatten wir hier noch Glück. Ein weiteres Reichsbahnausbesserungswerk war uns gewogen. Scheint ein recht beliebter Ausflugsort zu sein.

Auf dem Abwechslung verheißenden Brauereigelände stand leider ein Wohnmobil mit Besatzung. Egal. Weiter nach Norden. Solebad hört sich gut an. Wird zum Kindergarten umgebaut. Krisensitzung.

Noch weiter Richtung Hauptstadt oder nach Süden orientieren?

Carl-Zeiss

In Jena haben wir uns etwas mehr als Budget gegönnt. Nach so einem Tag brauch man ja was zum aufbauen. Der Balkan-Toni war diesmal ein gutbürgerlicher. Fleischhaltig – Pils – Aquavit.

Nach kurzer Zwischenrecherche hatten wir uns für den Sonntagmorgen auf einen weiteren potenziellen Fail eingestellt.

Das Glücksschwein

Die alte Heilstätte
Die alte Heilstätte

war uns gewogen. Die Heilstätten waren zugänglich und ergiebig. Danach wurde es richtig geschichtsträchtig.

Die Erholungszentren von Armee und Bonzen

In Oberhof gibt es die kläglichen Reste von Ulbrichts Gästehaus zu sehen. Versenkbare Wände, Aufzüge aus dem Westen und Ausstattung vom Feinsten sind nur noch zu erahnen.

NVA-Erholungsheim-2
Das NVA-Erholungsheim

Das andere Erholungsheim war wohl eher fürs Fußvolk. Eine größere Pension, zugänglich über Thüringens „ehemals“ schlechteste Verbindungsstraße. Moderner und größer war das Sprungschanzenhaus. Im aktuellen Zustand gibt es Einblicke in die Detaillösungen des Trockenbaus.

Zum Abschluss der Erhohlungsquadrologie gab es noch ein Kurhaus mit recht nettem Grafitti.

Direkt unterhalb kann ein verdauungsfördernder Kaffee bezogen werden.

Zum Abschluss Wachturm und Schäufele

Der DDR-Wachturm
Der DDR-Wachturm

Der in Anflug von Zukunftsgläubigkeit, kurz vor der Wende weiter ausgebaute Grenzübergang Eußenhausen-Henneberg war unser letzter Pin auf der Karte. Zeit für ein paar analoge Levitations und eine Patrone aus dem Hause Sternburg.

Dann hieß es „arrivederci Osten“. Wir kommen wieder. Es ist noch einiges abzulichten.

3 Tage, 4 Bundesländer, 6 Städte und ein paar Rückschläge. Straight ahead to Schäufele und fränkischen Zuckerrüben-Routen.

Das beste Projekt ist immer das nächste!

(PS: Es lohnt sich, das Album öfters mal aufzurufen. Wir haben nämlich einen stark entschleunigten Digitalfotografen mit an Bord, der den Upload gemütlich angeht.)

 Flickr-Album "Tour de Gammel 2015"

3 comments on “Tour de GammelAdd yours →

  1. Wunderbar kurzweiliger Bericht mit hervorragenden Fotos. Respekt! Bitte mehr davon. Über „Tour durchs Land des Verfalls“ musste ich wirklich schmunzeln. So viel Pessimismus, was die deutsche Zukunft angeht? 😉

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